Skitourismus und Umweltprobleme: Zum Ökologiebewusstsein unterschiedlicher Gruppen (Universitätspreis der Wiener Wirtschaft)

26.05.2011

Gemäß dem “3 Komponenten-Ansatz“ in der Einstellungsforschung lassen sich in Hinblick auf Umwelteinstellungen, die den Skitourismus betreffen, drei Ebenen unterscheiden:

1. Kognitive Komponente (Problemwissen und -wahrnehmung);

2. Affektive Komponente (Betroffenheit und Belastungsempfinden);

3. Handlungskomponente (Bereitschaft, sein Verhalten zu ändern).

Dementsprechend wurde in der Studie am Beispiel des Ökologiebewusstseins unterschiedlicher Gruppen der Zusammenhang zwischen ökologischen und ökonomischen Aspekten des Wintertourismus aufgezeigt. Anhand des Vergleichs des Ökologiebewusstseins und Umweltverhaltens von Touristen, Einheimischen sowie der österreichischen und belgischen Gesamtbevölkerung wurde aufgezeigt, dass diese Probleme unterschiedlich wahrgenommen werden (siehe folgende Tabelle).

 

Die Ausgangshypothese – Skitouristen und tourismusunabhängige Einheimische sind in Bezug auf den Wintertourismus ökologiebewusster als tourismusabhängige Einheimische – konnte im Großen und Ganzen bestätigt werden. Der Grund dafür liegt wohl in den ökonomischen Interessen der Einheimischen, die im Bereich des Fremdenverkehrs tätig und davon finanziell abhängig sind. Bei Fragen, die sich allgemein auf das Umweltverhalten beziehen und nicht mit dem Wintertourismus in Verbindung stehen, waren diese Unterschiede im Antwortverhalten nicht auszumachen. Eine hohe Dringlichkeit in puncto Umweltschutz wurde nur dann konzediert, wenn die genannten Maßnahmen nicht mit hohen finanziellen Einbußen oder dem Verzicht auf Komfort einhergehen. Im nicht-alpinen Raum zeigte sich einerseits, dass die mit dem Skisport verbundenen Umweltprobleme nicht so gravierend eingestuft werden, andererseits aber auch, dass man dort in alltäglichen Situationen noch weniger umweltbewusst handelt.

Die Touristen sind sich zwar einig, dass der Skisport negative Auswirkungen auf die Umwelt hat, sie schieben jedoch die Verantwortung dafür gänzlich auf die Einheimischen ab und wollen sich selbst die Freude am Skisport nicht nehmen lassen. Die ortsansässige Bevölkerung soll sich - nach Meinung der Touristen - darum kümmern, dass man seinen Skiurlaub genießen kann. Die Einheimischen hingegen, deren Haupteinnahmequelle der Skitourismus ist, neigen dazu, die damit verbundenen ökologischen Probleme zu verharmlosen oder zu negieren.

Aus den Ergebnissen kann geschlossen werden, dass in Österreich im Bereich des Wintertourismus ökologische Aspekte zu beachten sind, um auch künftig ökonomische Interessen wahren zu können.

Kontakt: institut-schmelz.univie.ac.at/abteilungen-arbeitsbereiche/sportsoziologie/